Eine zusätzliche Injektion, ein länger sichtbarer Effekt: Das klingt nach einer einfachen Rechnung. Eine am 8. Juli 2026 veröffentlichte Untersuchung zu Krähenfüßen zeigt jedoch, wie stark die Antwort davon abhängt, wer das Ergebnis beurteilt und was gemessen wird. Einige Befunde sprechen für Botulinumtoxin plus einen Hyaluronsäure-Skinbooster. Ein pauschaler Vorteil ergibt sich daraus nicht.
Das Forschungsteam um Ana Claudia Laureano Navarro Shishido untersuchte 24 Frauen in Brasilien. Auf beiden Gesichtshälften wurde Botulinumtoxin eingesetzt. Eine zufällig ausgewählte Seite erhielt später zusätzlich einen Skinbooster, die andere eine simulierte Injektion. Die Teilnehmerinnen und die bewertenden Untersucher sollten nicht wissen, welche Seite welche Behandlung bekommen hatte. Alle Frauen schlossen die sechsmonatige Beobachtung ab.
Was sich im Vergleich zeigte
Nach drei und sechs Monaten bewerteten die Teilnehmerinnen ihre Falten auf der kombiniert behandelten Seite günstiger. Auch die mit einem Bildgebungssystem erfasste Hauttextur fiel zu diesen Zeitpunkten besser aus. Bei der Zufriedenheit zeigte sich ein Vorteil gegenüber der Einzelbehandlung nach drei Monaten.
Zwei andere Ergebnisse bremsen eine allzu einfache Erfolgsgeschichte. Beim primären Untersuchungsziel, der elektrischen Aktivität des behandelten Muskels, gab es keinen Unterschied zwischen den Verfahren. Auch die Faltenbeurteilung durch die Untersucher ergab zu keinem Messzeitpunkt einen statistisch nachweisbaren Unterschied zwischen den Seiten. Mehr gemessene Hauttexturverbesserung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Muskelwirkung des Botulinumtoxins länger anhält.
Warum unterschiedliche Bewertungen zählen
Die eigene Wahrnehmung ist bei einem ästhetischen Eingriff ein wichtiges Ergebnis. Sie beantwortet aber eine andere Frage als eine Muskelmessung oder die Beurteilung standardisierter Aufnahmen. Für Leserinnen und Leser liegt der interessante Punkt gerade in dieser Abweichung: Ein zusätzlicher Behandlungsschritt kann einzelne Aspekte verbessern, ohne bei allen untersuchten Zielen überlegen zu sein.
Die Untersuchung ist zudem klein und umfasst ausschließlich Frauen. Daraus lassen sich weder gleiche Ergebnisse für Männer noch verlässliche Aussagen zu seltenen Komplikationen ableiten. Sechs Monate Beobachtung beantworten auch nicht, wie sich wiederholte Behandlungen über Jahre auswirken.
Für die ärztliche Praxis kommt es darauf an, welches Ergebnis eine zusätzliche Behandlung verbessern soll: die Wahrnehmung der Patientin, das Hautbild oder die Muskelaktivität. Diese Ziele lassen sich nicht gleichsetzen. Botulinumtoxin und Hyaluronsäure bilden auch die beiden Compact-Schwerpunkte von Master Class Aesthetics, einem Fortbildungsangebot für approbierte Ärzte. Die vorliegende Untersuchung bietet für die Beschäftigung mit solchen Kombinationen einen konkreten Ausgangspunkt: Sie macht deutlich, weshalb Beratung und Behandlungsplanung zwischen subjektiver Zufriedenheit und objektiven Messwerten unterscheiden müssen. Aus den Ergebnissen lässt sich keine pauschale Empfehlung für die zusätzliche Injektion ableiten.
Zusätzlicher Aufwand, zusätzliche Reaktionen
Nach den Skinbooster-Injektionen berichteten die Autoren vorübergehende Schmerzen bei 29,1 Prozent und kleine Blutergüsse bei 12,5 Prozent der Teilnehmerinnen. Diese Reaktionen klangen innerhalb von zwei Wochen ab. Schwerwiegende Ereignisse wurden nicht beobachtet; bei 24 Personen ist das kein Nachweis, dass solche Ereignisse generell ausgeschlossen sind.
Die Studie hilft damit vor allem, Erwartungen genauer zu formulieren: Geht es um das eigene Empfinden, sichtbar beurteilte Falten oder die Dauer einer bestimmten Wirkung? Eine zusätzliche Behandlung sollte an ihrem konkreten Ziel gemessen werden. Welche Option für einen einzelnen Menschen sinnvoll ist, beantwortet diese Untersuchung nicht.
Quelle: Ana Claudia Laureano Navarro Shishido und Mitautoren, Aesthetic Plastic Surgery, veröffentlicht am 8. Juli 2026; PMID 42420660. Eigenständige journalistische Einordnung und deutschsprachige Bearbeitung der unter CC BY 4.0 veröffentlichten Forschung. Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Quellen & Nachweise
- Aesthetic Plastic Surgery · PubMed PMID 42420660
- DOI · Association of AbobotulinumtoxinA and Skinbooster for Periorbital Wrinkles: A Randomized, Controlled, Double-Blind, Split-Face Study
KI-generiertes Symbolfoto: natürliche Hautstruktur und feine Fältchen an der Augenpartie einer fiktiven Frau. Keine Studienteilnehmerin, kein Behandlungsergebnis.




