Wer eine vergrößerte männliche Brust operativ behandeln lassen möchte, kann die Lage der späteren Narbe als wichtig empfinden. Sie ist jedoch nur ein Teil des Ergebnisses. Kontur, Komplikationen, Empfindung und Erholung müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Eine neuere Untersuchung zum Achselzugang verdeutlicht, weshalb diese Fragen jeweils eigene Belege brauchen.

Jinqiu Xue, Hua Zhu und Qiang Ding veröffentlichten ihre Erfahrungen am 16. Oktober 2026 in Aesthetic Plastic Surgery. Bei dem Verfahren wird Drüsengewebe endoskopisch über einen Achselschnitt entfernt; die Hautlappen werden mit einem nicht erhitzten Schneidinstrument präpariert, ohne Fettabsaugung. Die ästhetische Überlegung ist nachvollziehbar: Der Schnitt liegt abseits der gut sichtbaren Brustvorderseite. Eine Überlegenheit gegenüber anderen Operationen ist damit noch nicht belegt.

51 Patienten sind keine 102 unabhängigen Verläufe

Die retrospektive Serie eines Zentrums berücksichtigte 56 zwischen August 2023 und Oktober 2024 operierte Patienten. Fünf gingen für die Nachbeobachtung verloren. Ausgewertet wurden 51 beidseitig operierte Patienten, entsprechend 102 Brüsten. Die Altersspanne betrug 14–46 Jahre; die Gruppe umfasste somit Jugendliche und Erwachsene und darf nicht als reine Erwachsenenstudie bezeichnet werden.

Bei allen ausgewerteten Patienten konnte das Verfahren ohne Wechsel zu einer offenen Operation abgeschlossen werden. Der mittlere Krankenhausaufenthalt betrug 4,31 Tage, die Nachbeobachtung drei bis sechs Monate. Ohne Vergleichsgruppe belegen weder die Aufenthaltsdauer noch die Schnittlage eine schnellere Erholung. In diesem kurzen Zeitraum wurde kein Wiederauftreten berichtet; eine langfristige Rückfallquote lässt sich daraus nicht bestimmen.

Komplikationen und Zufriedenheit brauchen klare Bezugsgrößen

Hämatome und Flüssigkeitsansammlungen kamen vor. Der Abstract nennt Hämatome in zwei Brüsten, ein Serom in einer und Ergüsse in zwei Brüsten. Der Volltext beschreibt Ereignisse auch pro Patient, darunter eine durch Drainage behandelte Blutung. Diese Angaben lassen sich nicht verlässlich zu einer Gesamtkomplikationsrate addieren. Bei zwei Patienten mit beidseitigem Befund blieb überschüssige Haut zurück.

Die Arbeit nennt eine Zufriedenheit mit der Lebensqualität von 100 Prozent. Die Zuordnung ist allerdings uneinheitlich: Im Abstract erscheint dies als Patientenangabe, im Ergebnisteil werden vier Beobachter genannt und die Bewertung als Beobachterurteil bezeichnet. Ein eindeutig zugeordnetes, unabhängig validiertes Ergebnis zur Lebensqualität aus Patientensicht sollte daraus nicht gemacht werden. Infektionen oder Nekrosen des Brustwarzen-Warzenhof-Komplexes wurden nicht berichtet; seltene Schäden schließt die kleine Serie nicht aus.

Der Volltext beschreibt die praktische Machbarkeit, lässt den Vergleich mit anderen Zugängen aber offen. Kurze Nachbeobachtung, fehlende Patienten und Unklarheiten der Berichterstattung sind ebenso relevant wie günstige Fotos oder Bewertungen. Für Entscheidungen wären vergleichbare Gruppen sowie getrennte Messungen von Narbensichtbarkeit, Patientenerleben, Komplikationen und Haltbarkeit erforderlich. Eine in der Achsel verborgene Narbe ist eine Eigenschaft der Planung, keine Garantie für das bessere Gesamtergebnis.

Quellen & Nachweise

  1. Aesthetic plastic surgery · PubMed PMID 42886225
  2. DOI · Endoscopic Subcutaneous Mastectomy with Cold-Knife Flap Dissection Through a Single Axillary Incision for Gynaecomastia.

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